Aufgrund meiner aus Fachbüchern und der Beobachtung von Tieren erworbenen Erkenntnisse würde ich es wichtig finden, durch entsprechende Verhaltensstudien zu klären, ob das anormale Tierverhalten vor Erdbeben nur bei Tieren vorkommt, die in Gebieten leben, in denen Erdbeben auftreten, oder ob Tiere, die Erdbeben noch nie erlebt haben, exakt genauso reagieren. Gegenüber früheren Verständnissen über Tiere weiß man heute doch allgemein, dass viele Tiere "intelligenter" sind und untereinander sehr viel mehr kommunizieren, und Verhaltensweisen über viele Generationen nicht nur vererbt sondern auch gelehrt werden.
· Kürzlich erschien in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (07.05.2005) ein Artikel über neue Erkenntnisse bzgl. des Aufbaus des Gefieders von Vögeln und dessen unterschiedliche Funktion unter UV-Licht. Es hat sich gezeigt, dass bestimmte Vögel je nach Art auf unterschiedlichen Teilbereichen des UV-Lichtspektrums sehen können und in diesem Sichtbereich Gefiedermusterungen aufweisen, die im UV-Sichtbereich ihrer Artgenossen, jedoch nicht in dem ihrer Feinde zu sehen sind. Da aus der Bevölkerung immer wieder von bläulichen Erdbebenlichtern vor Erdbeben berichtet worden ist und Prof. Ikeya diese mittels EM-Wellen im Labor reproduzieren und erklären konnte, halte ich es für wahrscheinlich, dass in dem UV-Lichtspektrum, welches sich ja an das blau-violette Spektrum des für uns sichtbaren Lichtes unmittelbar anschließt, eine Veränderung eintritt. Diese wird durch die Vögel gesehen - zum einen sehen sie ihre Umgebung verändert, zum anderen sich selber - damit könnte dann die Panik der Vögel problemlos erklärt werden, und sicherlich wird auch das eine oder andere Tier auf dieses Vogelverhalten reagieren.
Man könnte für die Überprüfung dieser Hypothese möglicherweise schon vorhandene Daten aus Meteorologie und Fernerkundung heranziehen und in Zusammenhang bringen, aber auch neue, erste Messungen der Lichtspektren in Gebieten mit häufigeren mittelschweren Erdbeben durchführen. Gleichzeitig sollte in Laborversuchen das Tierverhalten bei unterschiedlichsten Lichtspektren untersucht werden. In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, dass dies wahrscheinlich nur einer der Auslöser für das Tierverhalten ist und je nach ihrer Art die Tiere auf verschiedene Parameter vor dem Erdbeben reagieren.
Es ist ein Fehler, den Tributsch, Ikeya und andere meines Erachtens gemacht haben, dass sie für alle Tiere ein und dieselbe Verhaltenserklärung aufgrund ein und desselben auslösenden Parameters gesucht haben, was sehr leicht eine falsche Grundannahme sein kann, und somit einem 100%igen Forschungserfolg im Wege stand. Die Natur ist kompliziert, die Tiere haben die unterschiedlichsten Sinnesleistungen, und es gibt unterschiedliche Parameteränderungen, die tatsächlich vor Erdbeben gemessen worden sind - entsprechend unterschiedlich könnte auch das jeweilige Tierverhalten sein. Und in Fällen, in denen gar kein Tierverhalten gemeldet worden ist, kann dies auch an dem Erdbeben an sich gelegen haben - wenn das Gestein in diesem Gebiet z.B. sehr basisch ist, würde der piezolelektrische Effekt nicht auftreten können, sofern überhaupt dieser die EM-Wellen verursacht. Tatsache und in Laborversuchen erwiesen ist immerhin, dass Granitblöcke unter zunehmenden Druck EM-Wellen aussenden.
· Da diese Forschung in erster Linie zum Ziel hätte, eine Frühwarnung vor Erdbeben zu unterstützen und eine geordnete Evakuierung einer Millionenstadt eine Woche Zeit erfordert, würde ich hier vorschlagen, das Verhalten der Insekten, die laut den Versuchen und Berichten im Buch von Prof. Ikeya Reaktionen bis zu 10 Tage vorher zeigen, ebenfalls umfassend zu untersuchen, um daraus hoffentlich eines Tages verwertbare Rückschlüsse ziehen zu können.
· Laut Prof. Ikeya entstehen durch den piezoelektrischen Effekt nicht nur EM-Wellen, sondern auch Schallwellen, die das oft berichtete Erdbebengrollen erklären. Zu untersuchen wäre, ob es auch im Ultra- und Infraschallbereich schon Tage oder Stunden vorher solche Effekte gibt, womit weitere Verhaltensweisen erklärt werden könnten.
Tatsache ist, dass viele Tiere auf Ultraschall und/oder Infraschall reagieren, und sich z.B. viele Zugvögel durch Infraschall orientieren. Laut einem Artikel im "Spiegel" Heft 17, 2005, S. 163ff liegen sehr interessante Messungen und Daten über Infraschall vor, und das Aufreißen des Seebodens bei der Tsunamiekatastrophe wurde über Infraschallmessungen erstmals sichtbar. Hier verfügen die Militärs über umfangreiche Daten, die den Wissenschaftlern leider noch nicht zugänglich gemacht worden sind. Vielleicht liegen auch entsprechende Daten über Lichtspektren vor, die ebenfalls für die Erforschung von Vorläuferphänomenen durchaus relevant sein können?
Protokoll vom Erdbebenfilm Kabel 1 am 4.08.2005 um 23:13 bis 0:11 Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte:
In Kalifornien gibt es eine Gruppe erdbebensensibler Menschen, die sich einmal jährlich treffen und feiern. Eine Frau ist dabei, die auch im Internet ihre an ihrem Körper gefühlten Erdbebenprognosen weltweit online stellt und nachweislich eine Trefferquote von 83% hat. Durch zufällige Beobachtung eines Geysirs wurde in den 70er Jahren festgestellt, dass der Geysire zwei Stunden lang ausblieb, als in ca. 160 km Entfernung ein mittelschweres Erdbeben war, nun wird der Geysire seit 20 Jahren Tag und Nacht per Video beobachtet und vor dem großen Loma Prieta Erdbeben hat er doppelt so häufig sich gezeigt.
Es sind eindeutige Zusammenhänge zwischen verändertem Auftreten des Geysires und Erdbeben bis in 200 km Unkreis zu beobachten, jedoch fehlt bisher eine Erklärung. Andere Wissenschaftler messen seit Jahrzehnten sehr tiefe EM-Wellen, die nicht mit dem Radio zu empfangen sind und nicht für menschliche Ohren zu hören. Sie forschen unter dem Aspekt der Kommunikation mit U-Booten und es gehen Wellen in die Erde rein, als dass auch die Erde welche aussendet. Dabei haben sie vier Wochen vor dem Loma Prieta Erdbeben einen plötzlichen Ausschlag der sonst üblichen Signale bemerkt und zur Zeit des Bebens ein "Chaos" an Signalen.
In China werden seit 20 Jahren an Grundwässern die Radongehalte gemessen, die für dortige Wissenschaftler als wichtiger Indikator für Erdbeben gelten. Eines Tages fingen die Radongehalte drastisch an zu steigen und schließlich haben die Wissenschaftler für eine Gegend in Burma unmittelbaren Alarm gegeben und evakuiert - das Beben kam tatsächlich schon am nächsten Tag - zwei mittelschwere. Führende Erdbebenwissenschaftler aus Japan/Tokio, wo weltweit am meisten an Erdbeben geforscht wird, halten diese exakte Vorhersage für einen Glückstreffer und bemängeln, dass es keine Veröffentlichung zu der Vorhersage und deren fachlichem Hintergrund gegeben hat - die Chinesen halten dies für ein Nichtverständnis ihrer Prognosen..
1976 haben chinesische Wissenschaftler aufgrund drastisch gestiegener Spannungen/Drücke in der Erdkruste, die durch Messsonden in Bohrlöchern gemessen worden sind, in einer Region um drei größere Städte Erdbebenwarnung für mittelschwerer Erdbeben in den nächsten ca. 4 Wochen ausgegeben. Nur eine Stadt hat die Warnung Ernst genommen und öffentlich gemacht, worauf hin keine weiteren Evakuierungsmaßnahmen notwenig waren, da die Menschen von sich aus alle ins Freie gezogen sind. In dem vorhergesagtem Zeitraum kam dann ein sehr schweres Erdbeben (Stärke 7,5) mit den berühmten 250 000 toten von Tangshan - nur in der Stadt nicht, wo die Menschen die Warnung ernst nahmen, gab es fast keine Toten.
Es wurde berichtet, dass helles rotes Licht am Horizont zu sehen war, ein tiefes Grollen und dann kam das Beben. In Kobe wurde vorher von schwarzem, dann roten, dann hell werdendes und schließlich grünem Licht berichtet. Trotz der Satellitenüberwachung von ganz Japan konnte hier das Beben nicht von den Wissenschaftlern vorher gesagt werden, aber die Erde hat vorher Warnsignale ausgesandt, nur sie wurden nicht gedeutet. Das Quellwasser war verändert, 10 Tage vorher bemerkte eine Frau, wie ein Uhrzeiger runter fiel von der Uhr, die Klimaanlage von alleine ansprang, ein Tag vorher der Mond seltsam rosa war, das Fernsehen wechselte ständig von alleine zwischen den Kanälen hin und her..
Prof. Ikeya berichtet, dass Salatblätter gerauscht haben, obwohl es Windstille war und machte Versuche mit dem Van-Grafft-Generator und demonstrierte vor der Kamera, wie die Blätter von Pflanzen aufgrund elektro-magnetische Spannungen vibrieren. Prof. Ikeya wird als Physiker und Nicht-Seismiker stark kritisiert. (Wie oben beschrieben, wurden aber von den japanischen Wissenschaftler auch die nachweislichen Erfolge der chinesischen Kollegen angezweifelt.
Man sollte also ehr vermuten, dass die japanischen Wissenschaftler menschlich irgendwie nicht funktionieren, dass sie die möglichen Erfolge anderer Wissenschaftler immer nur kritisieren - meine Meinung). Andere bemerkten, dass eine Woche vor dem Kobe Erdbeben keine Ratten mehr da waren und einige bemerkten schon 3 Monate vorher, dass es immer weniger streunende Katzen gab, und kurz vorm Erdbeben schließlich gar keine mehr. Vor Erdbeben gibt es extrem viele vermisste Tiere. Die Tauben fliegen alle vorher weg und ein Taubenzüchter bemerkte, dass seine Tauben extrem nervös waren, die Hennen keine Eier legten und ließ sie deswegen fliegen. Dann kam das Erdbeben und es dauerte drei Tage, bis alle zurück waren.
Ein Forscher untersucht Bienen, die Magnetit in ihrem Körper eingelagert haben und auf Magnetfeldänderungen reagieren. Er hat festgestellt, dass sei ein feinaustarierten Magnetmesser für 0-10 Hz Frequenz haben, drüber wird es wieder schlechter. Menschen haben auch Magnetit eingelagert. Gibt es also neurophysiologische seriöse Hinweise für einen sechsten Sinn von Mensch und Tier, den die Wissenschaftler endlich Ernst nehmen sollten? Gibt es ein charakteristisches Verhalten von Tieren vor Erdbeben? Gibt es eine schlüssige Erklärung? Könnten wir dies Verhalten für die Erdbebenvorhersage nutzen?
Seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden berichten immer wieder unabhängig von Kultur und Religion Menschen auf der ganzen Welt von auffälligem und sonderbaren Verhalten von Tieren, welches sie Tage bis Stunden oder auch nur Minuten vor einem Erdbeben beobachtet haben. Wenn heute in Europa kleinere bis mittelschwere Erdstöße zu verzeichnen sind, klingeln immer noch die Telefone bei den führenden Erdbebenforschern heiß, weil aufmerksame Bewohner der betroffenen Gebiete ihre individuellen Tierbeobachtungen für so wichtig halten, dass sie gerne Wissenschaft und Forschung helfen wollen.
Welches Verhalten der Tiere ist es nun, dass die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zieht und mit hoher Wahrscheinlichkeit mit nachfolgenden Erdstößen in einem bis heute nicht gänzlich geklärtem Zusammenhang stehen? Besonders auffällig ist dabei die intensive Angst der Hunde, die manchmal zu stunden- oder nächtelangem Bellen veranlasst, und bisweilen derartig zermürbend sein kann, dass z.B. 1783 vor dem verheerendem Erdbeben in Messina auf Sizilien schließlich der Befehl erlassen wurde, sämtlich Hunde zu erschießen.
Aber nicht alle Hunde reagieren so, es gibt durchaus auch nahezu gegenteilig wirkende Berichte aus der Bevölkerung, wo die Hunde sich nur unter Möbel verkriechen und ihren Herren anstarren, bzw. seine Nähe suchen. Von den größeren Nutztieren, wie Pferde, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen liegen ähnliche Berichte vor, die von massivem Angst, Panik- und Fluchtverhalten zeugen, und oftmals eine konsequente Verweigerung, ihre Pferche oder Ställe zu betreten, oder sogar massive Versuchte, aus ihren Ställen auszubrechen.
nteressant ist ein Bericht aus dem Jahre 1976 über einer Rinderherde, die ohne sichtbaren Grund für den Hirten von eine Sekunde auf die andere von einer Welle der Aufregung erfasst wurde, dann panisch durch raues Gelände lief und mit toten Rindern in Folge über einen steilen Abhang stürzte. Später stellte sich heraus, dass zu diesem Zeitpunkt ein Erdbeben mit dem bescheidenen Wert von 3,5 auf der Richterskala war, welches von den Menschen nicht wahrgenommen worden ist.
er Bericht zeugt also von einem sehr intensiven Angst- und Panikverhalten der Tiere, obwohl es dafür im Prinzip gar keinen realistischen Grund gegeben hätte. Von Katzen wird ein weniger deutliches, ehr sinnorientiertes Verhalten seit Jahrhunderten vor Erdbeben berichtet - sie bringen plötzlich ihre Jungen außer Haus woanders in der Natur in Sicherheit - sie scheinen also zu wissen, was ein Erdbeben bedeuten kann und beugen vor.
Aber es sind nicht nur unsere Haus- und Nutztiere, sondern auch viele Wildtiere, die ungewöhnliche Verhaltensmuster zeigen. So wird sehr oft berichtet, dass Ratten und Mäuse ihre Unterschlüpfe verlassen und oft völlig ohne Angst und mit bloßer Hand zu fangen umher laufen. Schlangen sind aus dem Winterschlaf erwacht und auf dem Boden zu sehen, genauso wie oftmals ungewöhnlich viele Würmer erscheinen.
Von Vögeln gibt es sehr viele Berichte, obwohl diese doch im allgemeinen ein Erdbeben gar nicht fürchten müssten. In Käfigen oder Ställen gefangen gehaltenes Geflügel oder Singvögel fangen wild an zu flattern und stoßen laute Warnrufe aus, und schon die alten Griechen benutzten Gänse als Erdbeben-Warner. Die frei lebenden Vögel wirken auch erst sehr erregt, bevor sie ganz und gar die Flucht ergreifen.
Von sonst sehr scheuen Wildtieren wie z.B. Rehe und wilden, scheuen Raubtieren liegen oft gegenteilige Beobachtungen aus der betroffenen Bevölkerung vor - sie wirken sehr zahm und ohne Angst, und kommen gelegentlich sogar ruhig in ein Dorf gewandert.
In Japan wird schon aus Tradition das Verhalten von Fischen vor Erdbeben genauestens beobachtet und erforscht. Zum einen sind heftige Bewegungen von Fischen in Aquarien ca. acht Tage vor einem Erdbeben inzwischen bekannt, als dass auch im Meer aufgrund der Fischfangangebote auf den Märkten sich Tage vor schweren Erdbeben in Küstennähe eine zum einen deutlich höhere Fangquote ausmachen lässt.
Weiterhin scheinen offensichtlich bestimmte Fischsorten plötzlich im Angebot gibt, die es vorher gar nicht gab. Von Insekten gibt es wenige Berichte, dass sie auf Erdbeben schon Tage vorher reagieren - am berühmtesten in diesem Zusammenhang ist sicherlich der zugleich erste überlieferte Bericht zu diesem Tierphänomen aus dem Jahre 373 v. Chr. Vom griechischen Geschichtsschreiber Diodor:
Fünf Tage vor dem Erdbeben, welches die Stadt Helike am Golf von Korinth danach vom Meer verschlingen sollte, soll ein Zug von Ratten, Schlangen und Käfern über eine Verbindungsstraße in das benachbarte Koria gewandert sein. Bis heute fragen sich dann die Menschen, was die Tiere vor Erdbeben wahrnehmen, und was sie zu ihren unterschiedlichsten, auffälligem Verhalten veranlasst. Erst in den letzen Jahrzehnten haben sich seriöse Wissenschaftler mit diesem Thema ausführlicher auseinander gesetzt, und z.T. daran geforscht.
Der Klassiker von Helmut Tributsch aus dem Jahre 1978 ("Wenn die Schlangen erwachen"), nahm geladene Aerosolteilchen vor Erdbeben als Ursache des anormalen Tierverhaltens an. Durch elektrostatische Aufladung der Haare könnte es den Pelztieren unangenehm sein und das Panikverhalten auslösen. Außerdem könnte im Gehirn eine Reaktion im Hormonhaushalt verursacht werden, welches das ungewöhnlich zahme Verhalten der wilden Tiere besser erklären könnte. Diese geladenen Luftteilchen sollen durch einen sogenannten piezoelektrischen Effekt im Boden unter Druckbelastung ausgelöst werden.
Nun gibt es einen topaktuellen neuen Klassiker eines japanischen Physikprofessors, allerdings bisher leider nur englischsprachig: Motoji Ikeya: Earthquakes and Animals, From Folk Legends to Science, World Scientific 2004, 295 Seiten, ISBN 981-238-591-6 und www.worldscientific.com oder auch www.amazon.com.
Der preisdotierte Professor, der auch Mitglied der deutschen Alexander von Humboldt Stiftung an der Universität in Stuttgart war, hat nach eigenen zufälligen ersten Beobachtungen vor dem Erdbeben in Kobe 1995 sehr viel und fundiert zu diesem Thema geforscht, und dazu dieses reich bebilderte und auch für interessierte Laien wertvolle Buch heraus gebracht.
Schon aus dem Vorwort wird ersichtlich, dass die größte Mühe in dieser Forschung der Kampf gegen Vorurteile war und ist, und dieser Forschungszweig außerdem interdisziplinär ist, so dass ein Fachgebiet oder Forscher alleine damit hoffnungslos überfordert ist. Und so erhebt auch dieser sehr erfahrene Professor nicht den Anspruch, seine vorliegende Forschung bereits perfekt getätigt zu haben, sondern regt zu konstruktiver Kritik und Forschung seitens weiterer Wissenschaftler an, wozu auch jeder interessierte Leser sich aufgefordert fühlen kann.
Professor Ikeya versucht in seinem Buch, Licht über die verschiedensten Berichte von sämtlichen mysteriösen Erdbebenvorzeichen zu bringen, wobei er mittels Laborversuchen fast alle Phänomene nachvollziehen und naturwissenschaftlich erklären kann. Der Professor nimmt genau wie Tributsch den selben piezoelektrischen Effekt im Gestein unter hohen Drücken als Ursache an - nur in Folge redet er nicht von Aerosolen und geladenen Luftteilchen, sondern von elektromagnetischen Wellen, die durch diesen Effekt produziert werden sollen und in der Umgebung zu spüren sein soll.
Das Hauptaugenmerk seines Buches liegt dabei auf der Erforschung der Auswirkung von diesen elektrischen Feldern, elektromagnetischen Wellen und -Pulsen auf das Tierverhalten, das Wachstum und die Veränderung von Pflanzen und Atmosphäre. Dabei gelingt es ihm fast ausnahmslos, sämtliche Phänomene, auch das auffällige Tierverhalten unterschiedlichster Tierarten von winzigen Insekten bis zu großen Säugetieren im Labor sozusagen künstlich zu reproduzieren.
Unter Zuhilfenahme von tiermedizinischen Blutuntersuchungen zu den Stressreaktionen wird seine These des anormalen Tierverhaltens als Stressreaktion auf elektromagnetische Wellen untermauert. So hat er z.B. Bienen, Käfer, Wellensittiche, Schildkröten, Fische, Katzen und Hunde im Labor mittels Leiterschleifen und feuchten Tüchern ständig steigender elektromagnetischer Feldbelastungen ausgesetzt und charakteristische Stärken bzw. Frequenzen von elektromagnetischen Wellen als Reizauslöser für auffälliges Verhalten gefunden.
Dabei zeigen die Wellensittiche und Schildkröten ein Boden- und Stangen-kontaktvermeidungsverhalten, während die Hunde und Katzen durch Jaulen, Bellen, Weglaufen und ähnliches sich deutlich bei einer bestimmten Frequenz schlagartig anders verhalten. Auf den letzten Seiten dieser ersten Buchhälfte muss der Leser aber leider erfahren, dass die Geophysiker diese elektromagnetischen Wellen, in der für dieses Tierverhalten erforderlichen Stärke bzw. Frequenz vor einem Erdbeben und in dessen Umgebung bisher noch nicht messen konnten, nur in geringerer Stärke bzw. Frequenz.
Die noch nicht bekannten Gründe dafür zu finden, müssten Ziele weitergehender Forschung sein, damit die Geowissenschaftler endlich ihre Vorbehalte bzgl. des Themas Tierverhalten vor Erdbeben bei Seite legen. Zudem sollten Wissenschaftler auch öffentlich ohne Gesichtsverlust über Messprobleme, Fehlinterpretationen und Unerklärlichkeiten berichten dürfen, damit interdisziplinäre Forschung voran kommt, oder überhaupt erst zustande kommt.
Aber Prof. Ikeya ist selbst der Meinung, dass eine vollständige Erdbebenwarnung nur mit Hilfe von Tieren allein nicht möglich sein wird. Messungen von seismo-elektromagnetischen Signalen (SEMS), ausgelöst durch Gesteinsbrüche, die der Störungszonenbewegung (Erdbeben) voran gehen, müssten mit ergänzenden Beobachtungen von Tieren, Wetter- und Himmelsphänomenen in Zusammenhang gebracht werden.
In jedem Falle ist die Beobachtung von auffälligem Tierverhalten für die Bewohner von Risikogebieten eine persönliche Frühwarnungsmöglichkeit und sollte sorgfältig beobachtet und erforscht werden. Für sehr wichtig erachtet Prof. Ikeya eine vertiefte Forschung über die Auswirkung dieser elektromagnetischen Wellen über die Tiere hinaus auch auf die Menschen.
Prof. Ikeya hat in einer weiteren Arbeit über die Medien die Bevölkerung zu Berichterstattung von Erdbebenfrühwarnsymptomen aufgefordert, und konnte so eindeutig in einem Umkreis von ca. 90 km um das Epizentrum die Zeichen der Natur aus Tier- und Pflanzenwelt schon viele Stunden vor dem Erdbeben nachweisen.
Weitere Forscher, die sich mit Tierverhalten vor Erdbeben wissenschaftlich beschäftigt haben, sind Dr. Rupert Sheldrake - der berühmte Autor des Buches "Der siebte Sinn der Tiere" - (siehe seine aktuelle Homepage www.sheldrake.org), der einen siebten Sinn als mögliche Erklärung diskutiert, womit er sich heftiger Kritik ausgesetzt hat.
Der Vollständigkeit halber sei noch die englischsprachige Internetseite von David Brown aus der USA - www.animalsandearthquakes.com erwähnt. Er hat z.T. mit Dr. Sheldrake zusammen gearbeitet, und Stichprobenartig Menschen aus Erdbebengebieten angerufen und zum Tierverhalten interviewt.
In seiner Homepage findet man viele interessante weitere Aspekte der Erdbebenforschung mittels Interviews entsprechender Fachleute. Eine eindeutige Erklärung, die von allen Wissenschaftlern, also auch von den Geowissenschaftlern akzeptiert wird, gibt es leider bis heute noch nicht gänzlich, trotz dieser vielen seriösen Teilprojekte mit wertvollen Einzelergebnissen.
Möglicherweise kann man auch keine Universalerklärung für dieses Phänomen finden, und es gibt je nach Tiergruppe oder sogar Erdbeben mehrere unterschiedliche Mechanismen, die für die endgültige Erklärung heran gezogen werden könnten. Wir dürfen für die Zukunft gespannt sein, ob nach so vielen Jahrzehnten der Forschung noch etwas erreicht wird.